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Die Einrichtung eines länderübergreifenden Nationalparkes

Die rheinland-pfälzische Landesregierung sucht derzeit den Standort für einen Nationalpark. Gute Chancen hat die Interessenbekundung für den Standort Hochwald-Idarwald, der auch die Option eines länderübergreifenden rheinland-pfälzisch-saarländischen Nationalparks eröffnen würde. Die Überlegungen sehen vor, saarländische Waldflächen in ein grenzüberschreitendes Schutzgebiet einzubeziehen. Hierbei handelt es sich nach derzeitigen Planungen ganz überwiegend um Staatswaldflächen im Bereich von Eisen zwischen den Gemeinden Nonnweiler und Nohfelden. Im folgenden Beitrag werden die möglichen Waldflächen eines länderübergreifenden Nationalparkes auf saarländischer Seite vorgestellt und die Chancen und Risiken eines Nationalparks aus Sicht von SaarForst kurz andiskutiert.

 

Ausgangssituation

Im unmittelbaren Anschluss an die rheinland-pfälzische Gebietskulisse liegen auf saarländischer Seite die Waldgebiete von Eisen, die eine Fläche von knapp 1.000 Hektar einnehmen und zu einem großen Teil (928 Hektar) der EU als NATURA 2000-Gebiet gemeldet sind. Die wertgebenden Lebensgemeinschaften und Arten in diesem FFH- und Vogelschutzgebiet sind insbesondere Hainsimsen-Buchenwälder, Schlucht- und Moorwälder, Fels- und Schutthaldenlebensgemeinschaften sowie Vogelarten wie Wespenbussard, Grau- und Schwarzspecht sowie Rauhfußkauz.

Im Gebiet liegen zwei Naturschutzgebiete (Dollberg, Moosbruch) mit einer Fläche von ca. 47 ha sowie die Naturwaldzelle Kahlenberg mit ca. 79 ha, die ebenfalls als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist. In diesen drei Gebieten ruht die Forstwirtschaft. Die übrigen Staatswaldflächen werden vom SaarForst Landesbetrieb bewirtschaftet.

Historie

Große Teile des Eisener Waldes sind historische Waldflächen mit einer konstanten, wenn auch in ihrer Struktur und Artenzusammensetzung stark wechselnden Waldbedeckung. Insbesondere im 19. und 20. Jahrhundert erfolgte ein großflächiger Anbau von Nadelbäumen, vor allem Fichten, was mit einer Meliorierung der feuchten Böden einherging. Die dadurch entstandenen Entwässerungsgräben wurden noch bis in die 1980er Jahre unterhalten. Innerhalb der Waldflächen finden sich noch etliche Wiesenkomplexe, die teilweise bis ins 20. Jahrhundert als Feuchtwiese landwirtschaftlich genutzt wurden und heute meist Wildwiesen darstellen oder durch die Sukzession wiederbewaldet sind.

Heutiger Zustand

Der Eisener Wald weist deutliche Defizite gegenüber der potenziell-natürlichen Vegetation auf. Dies betrifft die Baumartenzusammensetzung, insbesondere aber auch die fehlenden Alterungs- und Zerfallsphasen einer natürlichen Waldgesellschaft. Es sind derzeit nur noch circa 70 Hektar Hainsimsen-Buchenwälder erhalten und diese auch nur zu knapp 10 Prozent in einer �Naturwald�-Ausprägung. Die ursprünglich weit verbreiteten Moorwälder sind wegen der bereits geschilderten Nadelbaumnutzung fast ganzverschwunden. Schlucht- und Hangmischwälder sowie Erlen-Eschenwälder sind noch vertreten, wenngleich zum Teil auch nur noch auf Restflächen.

Im Hinblick auf den Status als FFH- und Vogelschutzgebiet aber auch vor dem Hintergrund der vorhandenen Standortpotenziale für die Renaturierung von naturnahen Waldgesellschaften (vor allem Moor- und Bruchwälder) hat der SaarForst in den letzten Jahren ein Modellprojekt Moorrenaturierung im Eisener Wald begonnen.

Renaturierung von Moor- und Bruchwäldern

In einem ersten Pflegeeingriff wurde auf ca. 40 Hektar ein Großteil der hier nicht heimischen Fichten eingeschlagen und die noch vorhandenen Reste der Moorvegetation, in erster Linie Moorbirken, Schwarzerlen und Vogelbeeren gefördert. Die eingeschlagenen Bäume wurden dabei mittels Seil zum Weg gezogen, um die sensiblen Moorstandorte nicht mit schweren Maschinen befahren zu müssen. In einem zweiten Schritt wurden die noch immer aktiven Entwässerungsgräben von Hand verschlossen, um das Wasser in der Fläche zu halten. Mit der Wiedervernässung der Flächen entwickelten sich auch wieder die Arten der ursprünglichen Waldgesellschaften mit den angepassten Lebensgemeinschaften.

Weitere Entwicklung des Waldgebietes

Im Rahmen der Umsetzung des bestehenden FFH-Managementplanes ist es mittel- bis langfristiges Ziel, im gesamten Gebiet einen günstigen Erhaltungszustand wiederherzustellen. Kurzfristig werden Maßnahmen zur Verbesserung des Erhaltungszustandes ergriffen (Biotopbäume, Naturverjüngung zu Gunsten von autochtonen Laubbaumarten, weitere Renaturierungsmaßnahmen usw.). Dies dient auch den vorkommenden schutzwürdigen Arten wie Fledermäuse, Spechten und auch der Sicherung der vorkommenden Wildkatzenpopulation.

Chancen und Risiken eines Nationalparks im Eisener Wald

Chancen eines Nationalparks sind vor allem in den Bereichen Tourismusförderung zu sehen. So weiß man inzwischen, dass selbst flächig abgestorbene Bäume bei Besuchern von Nationalparks nicht mehr verpönt sind. Es wird Aufgabe einer vom Forst getragenen Nationalparkverwaltung im Rahmen der Umweltbildung vor Ort sein, auf eine Steigerung der Wertschätzung in der Bevölkerung gegenüber dem Wald und seiner sehr langfristig zu sehenden natürlichen Entwicklung zu einem Naturwald ("Urwald") hinzuwirken. Eine Ausweisung als (Entwicklungs)Nationalpark, die - nach spätestens 30 Jahren - auf etwa 75 Prozent der Fläche mit Aufgabe der forstlichen Bewirtschaftung einhergeht, führt selbstverständlich zur Steigerung der natürlichen Biodiversität.

Dem gegenüber stehen Erlöseinbußen durch Nutzungsverzicht bei gleichzeitig höherem Aufwand für die Verkehrssicherung von ausgewiesenen Wegen und Einrichtungen. Im Eisener Wald versorgen sich derzeit ca. 80 Brennholzselbstwerber mit Holz als Brennstoff. Hier wird es notwendig sein, im Rahmen der Unterschutzstellung Lösungen zu finden, die beiden Seiten gerecht werden. Der Wirtschaftswald als wichtiger Rohstoff- und Energielieferant darf aber auch nicht ausgeblendet werden, zumal im Saarland bereits 10 Prozent der Staatswaldfläche aus der forstlichen Bewirtschaftung genommen wurden. Auch die Borkenkäferproblematik gilt es aufmerksam zu verfolgen.

Auf Aspekte wie Kosten und Personalausstattung wird an dieser Stelle nicht weiter angegangen, wenngleich beides entscheidend für den Erfolg bzw. Nichterfolg eines solchen Großprojektes ist.

Ausblick

Der SaarForst wird auch weiterhin den Entwicklungsprozess zu einem möglichen länderübergreifenden Nationalpark positiv konstruktiv begleiten, ohne hierbei die forstlichen Belange aus dem Auge zu verlieren.


 
 

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