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Die Kastanienminiermotte

Hauptfeind Nr. 1 der Rosskastanie

Die in den letzten Jahren aus Süd-Ost-Europa zugewanderte Kastanienminiermotte ist in der Wahl ihrer Wirtspflanze sehr spezialisiert, hat sie bisher fast ausschließlich die weißblühende Rosskastanie befallen. Grundsätzlich kann sie jedoch ihre Eier auch auf die Blätter rotblühender Kastanien ablegen, hier ist jedoch die Larvensterblichkeit wesentlich höher.

Durch starken Befall der minierenden (in der Blattfläche fressenden) Raupen wird die Assimilationsfläche der Blätter stark reduziert, insbesondere, wenn die Motte in Verbindung mit anderen Schaderregern wie etwa der sog. Blattbräune (eine Pilzerkrankung) auftritt. Werden die Kastanien mehrere Jahre hintereinander stark befallen, kann dies zu einer verminderten Viatlität der Bäume führen. Der Befall ist an den braunen Flecken auf der Blattfläche zu erkennen, ähnliche Symptome weist auch der Befall mit dem oben erwähnten Blattbräunepilz auf.

Der Schwarmflug der ersten Generation der Motte beginnt während der Kastanienblüte, die Weibchen legen bis zu 100 Eier pro Fiederblatt auf der Oberseite ab. Nach 2 – 3 Wochen schlüpfen die Larven und beginnen ihr Zerstörungswerk an den Blättern. Nach 2 -3 wöchiger Puppenruhe schlüpfen die Falter der 2. Generation Ende Juli/Anfang August. Je nach Witterung kann sich eine 3. Generation bis Mitte Oktober entwickeln. Die Puppen der letzten Generation überwintern in den abfallenden Blättern.

Hier setzt auch die einzige ökologische Bekämpfungsmöglichkeit ein, nämlich, dass man ab dem Spätsommer regelmäßig und gründlich das Falllaub entfernt. Eine vollständige Bekämpfung ist damit nicht erzielbar, der Befallsdruck der ersten Generation wird dadurch aber deutlich herabgesetzt. Für die Abtötung der Puppen reicht das Kompostieren des Herbstlaubes im Hausgarten i.d.R. nicht aus. Kleinere Laubmengen können über den Hausmüll entsorgt werden, größere Mengen gehören auf die örtlichen Kompostieranlagen.

Die Markusfliege

Der Mai ist gekommen.....und auch ein Insektenschwarm

Seit kurzer Zeit häufen sich die Anrufe besorgter Bürgerinnen und Bürger bei SaarForst Mitarbeitern, die am Waldrand eine scheinbar beunruhigende Entdeckung gemacht haben. Für SaarForst Landesbetrieb Grund genug, den Waldschutzexperten Norbert Maurer zu Wort kommen zu lassen:

„Dem aufmerksamen Wanderer wird in diesen Tagen eine für den Laien beunruhigende Entdeckung in unseren Wäldern machen - riesige Schwärme schwarzer Fliegen, die vor allem an den sonnenbeschienenen Rändern der Buchenwälder auf- und absteigen. Ein neuer Schädling, der da über unsere Bäume herfällt?

Mitnichten, diese schwarze Fliege, die mit den uns bekannten oft unangenehmen Mücken nur sehr weitläufig verwandt ist, gehört zu den so genannten Haarmücken (Bibionidae) und heißt mit deutschem Namen Markusfliege oder auch Markushaarmücke . Ein typisches Merkmal ihrer Art ist die dichte schwarze Behaarung, ihr etwas schwerfälliger Flug und ihre dabei herabhängenden Beine. Die Mücken legen ihre Eier zu Millionen in der Bodendecke ab und die gesellig lebenden Larven erfüllen in der Bodendecke eine wichtige Funktion, sie sind nämlich an der Humifizierung der Bodenstreu beteiligt, sorgen also mit dafür, dass sich die Laubreste der vergangenen Jahre in für den Wald notwendigen Humus verwandeln.

Die Mücken selbst ernähren sich vom Saugen an den frischen Blättern, was aber die Bäume nicht weiter stört, außerdem sind sie sehr kurzlebig, sorgen schnell für Nachwuchs und gehen dann zugrunde. Im Haushalt der Natur erfüllen die Mücken aber noch eine andere wichtige Funktion, sie stellen nämlich die Nahrungsgrundlage für viele Vogelarten dar, die zeitig im Frühjahr brüten und mit diesem Nahrungssegen ihre Brut aufpäppeln. Also eine Fliegenart mit vielen nützlichen Funktionen für die Lebensgemeinschaft Wald, der man auf keinen Fall mit irgendwelchen Bekämpfungsaktionen begegnen soll.“

Der Maikäfer

„Neben der Markushaarmücke zeigt sich in weiten Teilen des Saarlandes ein ganz anderer Geselle, der in vielen Liedern und Geschichten beschriebene Maikäfer, der jetzt wieder überall aus dem Boden kriecht und der zu einem wirklichen Schädling werden kann“, so Waldschutzexperte Norbert Maurer, SaarForst Landesbetrieb.

Wenn der Maikäfer als fertiger Käfer zu seinem ersten Flug startet, hat er schon eine reichlich üble Karriere als Engerling hinter sich, ernährt dieser sich doch während seiner drei- bis vierjährigen Entwicklungszeit im Boden von Pflanzenwurzeln und kann dadurch in Gärten, Pflanzschulen und auch in Wäldern bei massenhaftem Auftreten erhebliche Schäden anrichten. Der Engerling mag sandige Böden und tritt in den letzten Jahren besonders in den Rheinebenen als wirklicher Schädling auf, auch im Saarland ist eine deutliche Zunahme zu bemerken.

„Die ausschlüpfenden Käfer tun sich am frischen Laub der Buchen und Eichen , aber auch an Obstbäumen gütlich und können auch dort bei gehäuftem Auftreten Schäden anrichten. Im Karlsruher Raum hat man sich sogar zu Bekämpfungsaktionen mit dem Hubschrauber entschlossen, dort fraßen die Käfer in den letzten Jahren ganze Wälder und Obstplantagen kahl. Soweit sind wir Gott sei Dank im Saarland noch nicht, aber auch wir haben viele Gegenden mit sandigen Böden, in denen bei weiterhin günstiger Witterung (warme trockene Frühjahre) sich durchaus ähnliches entwickeln kann“, so Maurer weiter.

Ein wichtiger Bekämpfer einer eventuellen Massenvermehrung sind da zum einen die Vögel, die den Käfer massenhaft vertilgen, besonders ab Amsel- und Drosselgröße, für die kleineren Arten ist der Käferpanzer zu hart und zum anderen die Insektenfresser unter den Säugetieren, wie Spitzmäuse, der in unseren Gärten so ungeliebte Maulwurf und schließlich der Igel. Sie vertilgen schon viele Larven im Boden und verhindern so die Entwicklung des Käfers. Einer wirklichen Käferkalamität haben sie jedoch auch nichts entgegen zu setzten, das regelt die Natur dann auf andere Weise, in dem sich die Käfer und auch ihre Larven mit Pilzsporen, Bakterien und Viren gegenseitig anstecken und so die hohe Population in sich zusammenbricht oder ganz einfach dadurch, dass ein nächstes Frühjahr sehr kalt und nass wird und die Larven im Boden absterben.

Dem Lied von Reinhard Mey „Es gibt keine Maikäfer mehr“ muss man jedenfalls momentan energisch widersprechen.

Eichenschadgesellschaft - die Eiche als Fraßbaum für Insekten

Der Frühling hat jetzt auch dem letzten Baum das Blattwerk aus den Knospen getrieben, da kann man an manchen Eichen schon wieder eine Abnahme der Belaubung beobachten. Dies kann durch Maikäferfraß geschehen sein, aber noch andere gefährlichere Organismen können da am Werke sein.

Blattfressende Schädlinge und Eichen bilden eine evolutionäre Einheit. So nutzen etwa 285 Schmetterlingsarten aus 32 Familien Eichen, wenn nicht ausschließlich, so doch gelegentlich als Fraßpflanzen.

Unter dieser Vielzahl von Arten, treten einige hervor, die durch ihre Tendenz zu Massenvermehrungen größere Schäden verursachen und die Vitalität unserer Eichen somit schwächen können. Als Sammelbegriff wurde für sie die Bezeichnung „Eichenschadgesellschaft“ eingeführt. Als Leitarten gelten der Grüne Eichenwickler (Tortrix viridana) und der Kleine Frostspanner ((Operophtera brumata).

Der Eichenwickler frisst ausschließlich an Eichen. Seine Larven schlüpfen Anfang Mai, wenn sich die Knospenschuppen der Bäume öffnen. Hier muss die Gleichzeitigkeit von Schlupf und Knospenöffnung gegeben sein (sog. Koinzendenz), die entscheidend sind für das Überleben der Raupen und die Höhe des Schadens. Die Raupen sind grün mit schwarzbraunem Kopf und etwas hellerem grünlichen Nackenschild. In den Knospen durchlaufen die Raupen zwei Häutungsstadien, danach wird der Fraß in mit Hilfe von Spinnfäden zusammengerollten Blattwickeln fortgesetzt. Dort erfolgt auch die Verpuppung im Juni. Der Fraß erfolgt bevorzugt im oberen Kronenraum, dort werden auch die meisten Eier abgelegt. Nach nur zwei bis dreiwöchiger Puppenruhe schlüpfen die Falter und beginnen schon Ende Juni mit der Eiablage.

Die Larven des Frostspanners sind durch ihre typische (namensgebende) Fortbewegungsart leicht zu erkennen. Die Fortbewegung erfolgt über Vorderbeinpaare und „Nachschieber“, sodass sich der Raupenkörper bei der Fortbewegung wie ein gespannter Bogen aufwölbt.

Die Raupe hat eine gelblich-grüne Farbe; entlang des Körpers verläuft ein dunkelgrüner Mittelstreifen. Der Fraß der Jungraupen ist ein typischer Löcherfraß, Spannerraupen sind polyphag, das heißt, sie tun sich auch an anderen Waldbäumen und in Obstplantagen gütlich. Der Schlupf der Raupen fällt ebenfalls mit dem Aufbrechen der der Knospen der Wirtsbaumarten zusammen. Nach 5 – 6 Wochen Raupenentwicklung erfolgt im Juni die Verpuppung der sich abspinnenden Raupen im Boden. Die Falter schlüpfen in der zweiten Oktoberhälfte. Auffällig ist bei den fertigen Schmetterlingen der ausgeprägte Sexualdimorphismus. Währen die Männchen typische Falter sind, erscheinen die flügellosen fast spinnenartig.

Die Eichen sind dieser Bedrohung jedoch nicht ganz schutzlos ausgeliefert. Sie haben nämlich in ihrer Entstehungsgeschichte eine erstaunliche Fähigkeit entwickelt. Auch gänzlich kahl gefressene Bäume können sich durch den nach dem Fraß austreibenden sog. „Johannistrieb“ wieder regenerieren. Da der Baum jedoch viel Energie in diese Laubneubildung stecken muss, wird sein angelegter Holzmantel dann dünner als normal, der Förster spricht von Zuwachsverlust.

Die Zunahme dieser Schmetterlinge ist in den letzten Jahre, bedingt durch den günstigen Witterungsverlauf besorgniserregend angestiegen, im Saarland kann man wohl noch nicht von einer Kalamität sprechen, in wärmeren Gegenden wie im Rheintal ist aber schon stellenweise Kahlfraß gemeldet worden.

Die alte Bauernregel „Ist der Mai kühl und nass, füllt er dem Bauern Scheune und Fass“ trifft in diesem Fall auch auf den Wald zu. Kühle feuchte Tage machen den Raupen, wie vielen anderen zur Massenvermehrung neigenden Insektenarten schwer zu schaffen, die momentan eher herbstlichen Temperaturen sorgen dafür, dass die Eichenschadgesellschaft nicht so zum Zuge kommt, wie das vielleicht erwartet wurde.

Weniger für den Wald als für den Menschen schädlich...

Der Eichenprozessionsspinner

Seinen Namen hat der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) durch ein besonderes Verhalten seiner Raupen – sie leben gesellig und man trifft sie auf ihren Wanderungen in langen Reihen an (wie in einer Prozession).

Der Falter ist unscheinbar graubraun gefärbt und hat braune Linien auf seinen Flügeln. Seine Eier legt er vorzugsweise an glatten Rindenstellen freistehender älterer Eichen in Form einer Platte (auch Eispiegel genannt) aus 100 bis 200 Stück ab, die durch einen mit Deckschuppen des Hinterleibes vermischten braunen Kitt überzogen und so dem Aussehen der Rinde ähnlich ist. Bei Laubausbruch schlüpfen die locker graugelb behaarten, mit Samtspiegeln auf den Hinterleibsringen gekennzeichneten Raupen, fressen während der Nacht und ruhen am Tag.

Bis hierhin wäre dieser Schmetterling nichts weiter als ein gewöhnlicher Eichenbewohner wie der Eichenwickler oder der Frostspanner, hätten seine Raupen nicht eine ausgesprochen unangenehme Eigenschaft – sie besitzen giftige Haare auf ihren Samtspiegeln, die bei Menschen und Tieren Entzündungen empfindlicher Hautstellen, besonders an der Bindehaut der Augen und den Schleimhäuten der Mund-, Rachenregion verursachen können; es entstehen dabei juckende Bläschen, die sich zu rotem Ausschlag vereinigen und wochenlang schmerzen. Da sie immer wieder zu ihrem Nest zurückkehren und sich auch dort häuten, können diese Nester durch Ansammlungen von Kot, Gespinstfäden und Häuten die Größe eines Kinderkopfes erreichen. Bei heftigem Wind werden die Gifthaare verweht und können so Spaziergänger oder Bewohner waldnaher Siedlungen belästigen, besonders Allergiker sind gefährdet.

Die Tiere sind Wärme liebend, kommen deshalb bevorzugt in warmen Gegenden Bayerns, Baden-Württembergs, Hessens und Brandenburgs in größeren Mengen vor, lokal sind sie jedoch auch im Saarland anzutreffen. Vor allem lichte Eichenwälder und sonnige Parkanlagen bieten ihnen optimale Lebensbedingungen, deshalb treten sie zumeist an einzeln stehenden Bäumen und an sonnigen Waldrändern auf. Die Populationen sind durch die beiden letzten warmen Jahre überall im Steigen begriffen, hält dieser Trend an, könnte es auch im Saarland in manchen Gegenden zu Beeinträchtigungen der Bevölkerung kommen.

Der Wanderer oder Spaziergänger im Park sollte beim Entdecken der Nester oder der Raupenprozessionen einen großen Bogen um dieselben machen, am besten den betroffenen Ort sofort verlassen; kommt man in Kontakt mit Raupe oder Gespinst ist es ratsam, sofort zu duschen und die Kleidung zu wechseln, bei beginnenden Reaktionen sollte einen Arzt konsultiert werden, im übrigen reagiert nicht jeder gleich stark auf das Gift der Brennhaare - Kinder, Allergiker und alte Menschen zeigen meist die heftigsten Reaktionen.

Auch wenn sich die Raupen dann verpuppen, ist die Gefahr noch nicht gebannt, bis zu einem Jahr behalten die Haare ihre Giftwirkung, längere heftige Regenfälle spülen die Haare jedoch weg, ein Beweis dafür, dass Regenwetter nicht nur für den Wald „gutes“ Wetter ist.

Mit Hornissen lässt es sich in Frieden leben

„Sommerzeit ist Wespenzeit – und vielen Menschen sind diese geflügelten Räuber immer noch unheimlich, würden sie am liebsten mit Stumpf und Stiel ausrotten, dabei haben gerade die Hornissen (Vespa crabro), unsere größten einheimischen Wespen, eine hohe ökologische Bedeutung für Wald und Flur“, so SaarForst Betriebsleiter Michael Klein. Im folgenden Beitrag wirbt Waldschutzexperte Norbert Maurer um Verständnis für dieses Insekt:

„Die Hornisse gehört zu den staatenbildenden Faltenwespen, denen noch weitere elf bei uns vorkommenden Wespenarten wie etwa die allseits bekannte Deutsche Wespe (besonders häufig in der Nähe von Pflaumenkuchen zu finden) und die Gewöhnliche Wespe angehören. Sie bewohnt gerne trockene bis mäßig feuchte Laubmischwälder, Parklandschaften mit großen Laubbäumen und Felder mit alten Obstbaumbeständen. Auch auf Dachböden und in Nistkästen baut sie ihre Nester und manchmal entwickelt sie eine Vorliebe für Rollladenkästen, in denen sie dann mit dem Menschen schnell in Konflikt kommt.

Der Lebenszyklus eines Hornissenvolkes beginnt mit der Gründung durch eine einzelne überwinterte Jungkönigin, die ein paar Waben baut und ihre Eier darin ablegt. Die ersten Arbeiterinnen schlüpfen gewöhnlich vier Wochen später, der Höhepunkt der Nestentwicklung wird in der Zeit zwischen Mitte August und Mitte September erreicht, dann kann ein Volk aus etwa 200 bis 300 Tieren bestehen. Das Nest kann dann eine Höhe von gut 60 cm und einen Durchmesser von ca. 30 cm haben, ein recht beachtliches Gebilde, das die Hornissen aus zerkautem Holz (besonders moderndes Laubholz) vermengt mit Speichel bauen. Ab September schlüpfen in den Nestern fast nur noch Geschlechtstiere, also Jungköniginnen und männliche Drohnen. Diese verlassen dann zum Hochzeitsflug ihr Nest. Spätestens ab Mitte Oktober nehmen die Individuenzahlen in den Nestern rasch ab, Anfang November geht das Volk zugrunde und mit ihm die Mutterkönigin. Die befruchteten Jungköniginnen überwintern im Erdreich oder in morschem Holz bis zum Mai, wenn der Zyklus neu beginnt, die verlassenen Nester werden aber nicht mehr besetzt.

Die Hauptnahrung der Hornissen besteht zu über 90% aus Fliegenarten, sie verschmähen aber auch Bienen und Wespen nicht. Der Schaden für die Imker ist jedoch gering, Untersuchungen haben ergeben, dass der Verlust der abgefangenen Bienen im Vergleich zu den Nachkommen unter 1 % liegt. Ihre ökologische Bedeutung liegt zweifelsfrei in ihrer Regulativfunktion als Beutegreifer, wie eben alle Räuber einen wichtigen Stellenwert in der Biozönose haben.

Selten ist einem Insekt ein so schlechter Ruf vorausgeeilt wie der Hornisse. Als „Neunangel“ im Volksmund genannt, sollen fünf Stiche einen Menschen und neun Stiche ein Pferd töten, was ein ausgemachter Unsinn ist! Da Hornissengift viele Schmerz erzeugende Inhaltsstoffe enthält und da der längere Stachel eine tiefere Stichwunde erzeugt, wird ein Hornissenstich als deutlich schmerzhafter empfunden als Bienen- oder Wespenstiche, Bienengift ist jedoch fünfmal stärker als Hornissengift. Ein 70 kg schwerer Mensch müsste demnach von mehreren hundert Hornissen gestochen werden um in ernstliche Gefahr zu geraten! Natürlich gilt dies nicht für Personen mit Insektengiftallergien.

Im Gegensatz zu Bienen und Wespen, haben Hornissen ein viel ruhigeres Wesen, stechen also lange nicht so schnell zu, wie das besonders viele Wespen tun.

Wenn man folgende Verhaltensregeln beachtet:

  • keine Erschütterungen oder Manipulationen am Nest
  • kein längeres Verstellen der Flugbahn
  • die Tiere nicht anatmen und keine stark duftenden Kosmetika benutzen (eine Studie hat gezeigt, dass manche Produkte Duftstoffe enthalten, die den Alarmpheromonen sozialer Insekten in ihren Nestern entsprechen und geradezu zum Verteidigungsangriff provozieren)
  • zu heftige Abwehrbewegungen unterlassen
  • nicht barfuss über blühende Wiesen laufen
  • Lebensmittel (vor allem süße) abdecken

wird man sicherlich nur ganz selten mit ihnen in Konflikt geraten.

Ihr schlechter Ruf und die Veränderung ihrer Umwelt haben die Hornissen an den Rand ihrer Ausrottung gebracht, sodass sie in die Roten Listen aufgenommen wurden und in der Bundesartenschutzverordnung als geschützt gelten. Das sollte man beachten, wenn man ein störendes Nest entfernen will. Beim NABU Saarland gibt es einen Arbeitskreis „Hornissenschutz“, bei dem man sich über Umsiedelungen informieren kann (Kontakte unter der Telefonnummer 06881/936190).

Hornissen verdienen unseren Schutz, auch einfach deswegen, weil sie schöne und faszinierende Tiere sind.“

Die Japanische Esskastanien-Gallwespe - ein neuer Schadorganismus auf dem Weg nach Europa

In Zeiten einer ungehemmten Globalisierung profitieren nicht nur Märkte und dadurch die Menschen von immer kleiner werdenden Entfernungen auf unserem Planeten, auch viele pflanzliche und tierische Organismen partizipieren an dieser Entwicklung.

Bei den Tieren sind es besonders die Gliederfüßer und von ihnen die Insekten, die durch Warenverkehr und Tourismus, meist unwissend oder auch leichtsinnig aus ihren angestammten Lebensräumen in andere Kontinente eingeschleppt werden. Hinzu kommt eine zunehmend sich bemerkbar machende Klimaveränderung gerade in den Ländern, in die sich diese globalisierten Ströme besonders stark ergießen, also Europa und Nordamerika.

Viele eingeschleppte Organismen, besonders wenn sie aus subtropischen Regionen stammen, können so bei uns Fuß fassen. Ist es die Kiefernholznematode (ein Fadenwurm), die Rosskastanien-Miniermotte, der Asiatische Eichenprachtkäfer, der Amerikanische Nutzholzborkenkäfer oder der Asiatische Laubholzbockkäfer, um nur ein paar zu nennen, die Liste der Schadorganismen, vor denen die Biologische Bundesanstalt in Bonn bzw. die Kommission der Europäischen Gemeinschaft in Brüssel warnt, wird immer länger. Vielen dieser Insektenarten fehlt bei uns das adaequate Feindspektrum, sodass noch gar nicht abzusehen ist, wie stark der Schadorganismus das ökologische Gleichgewicht einmal stören kann.

Nun schickt sich ein neuer Einwanderer an, sich in diese Liste einzureihen - die Japanische Edelkastanien-Gallwespe (Dryocosmos kuriphilus Yasumatsu). Bei ihr handelt es sich um einen Quarantäneorganismus, der bis her noch nicht in Deutschland beobachtet worden ist. Sie stammt aus Südchina und wurde von dort aus über Korea und Japan nach Nordamerika eingeschleppt. 2002 wurde sie in Norditalien (Piemont) entdeckt. Seither haben sich die Befallsherde trotz Bekämpfungsmaßnahmen stetig erweitert. 2005 trat sie erstmals in Slowenien auf, daher sind vorläufige Notfallmaßnahmen seit Juni 2006 für alle Mitgliedstaaten der EU vorgeschrieben.

Die Japanische Esskastanien-Gallwespe befällt mehrere Arten der Gattung Castanea (Edelkastanie). Dazu gehört unsere heimische Esskastanie, aber auch amerikanische und asiatische Arten und alle Hybriden daraus. Andere Baumarten sind nicht betroffen. Befallen werden die Pflanzen ab dem zweiten Lebensjahr. Die Gallwespe verursacht bei befallenen Edelkastanien Zuwachsrückgänge und gravierende Ernteausfälle an Maronen bis zu 70 %. Stark befallenen Bäume können unter zusätzlichen Stressfaktoren sogar absterben. Wirksame Gegenspieler sind in Europa bisher nicht bekannt.

Die Gallwespe bildet eine Generation im Jahr. Sie vermehrt sich sehr wahrscheinlich ausnahmslos parthenogenetisch, da bisher noch keine männlichen Exemplare gefunden wurden. Ende Mai bis Ende Juli schlüpfen die erwachsenen, nur wenige Millimeter großen, schwarzen Gallwespen und legen anschließend über 100 Eier in kleinen Paketen von etwa 20 bis 30 Stück in die Blatt- und Blütenknospen der Edelkastanien, dann stirbt die Wespe nach wenigen Tagen. Nach 5 - 6 Wochen schlüpft die Larve und entwickelt sich im Verlauf der nächsten Monate nur langsam. Sie überwintert in den Spross-, Blatt- und Blütenknospen. Während des Austriebes der Knospen im darauffolgenden Frühjahr beschleunigt sich das Wachstum der Larve, dabei verursacht sie an den neuen Trieben die Bildung der Gallen in denen sie ca 4 Wochen frisst. Die Gallen sind in ihrem finalen Zustand zwischen 5 - 20 mm groß und von grün bis leuchtendrosa Färbung. Durch die Gallbildung wird eine normale Gewebeentwicklung verhindert, so dass die Blätter der befallenen Bäume verkrüppelt wirken. Beim Öffnen der Gallen findet man je nach Jahreszeit Kammern mit Larven, Puppen oder fertigen Wespen.

Die Japanische Esskastanien-Gallwespe wird nach bisherigem Wissenstand vor allem durch den ab- oder unabsichtlichen Transport von Pflanzen oder Pflanzenteilen (Äste oder Zweige mit Knospen oder Gallen, Früchte und Samen ausgeschlossen) verbreitet. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Befallsherde kann bis zu 25 km im Jahr betragen. Obwohl das natürliche Flugvermögen der Gallwespe nicht gut ausgeprägt ist , kann man von einer Verbreitung durch Windverdriftung bei diesen leichten Insekten ausgehen. Die Eu hat daher bestimmt, dass beim Verbringen von Pflanzen innerhalb der EU ein Zeugnis bereitgestellt werden muss, welches bescheinigt, dass die Pflanzen sowohl in EU-Ländern als auch in Ländern außerhalb der EU ununterbrochen an Erzeugungsorten standen, die nachweislich schadorganismenfrei sind. Die Kommissionsentscheidung verpflichtet die Mitgliedsstaaten der EU zur jährlichen amtlichen Überwachung der Esskastanien. Im Saarland gibt es auf dem Karlsberg bei Homburg einen größeren Esskastanienbestand von etwa 20 ha Größe, der dieses Jahr zum ersten Male auf Befall überprüft wurde. Ein Vorkommen der Gallwespe konnte nicht festgestellt werden. Die restlichen Vorkommen im Saarland stehen kleinflächig trupp- oder einzelbaumweise mit anderen Baumarten gemischt und können natürlich nicht systematisch kontrolliert werden. Viele Esskastanien stehen auch einzeln in Privatgärten, hier sollten die Besitzer auffällige Gallenbildung oder Verkrüppelung von Blättern der Landwirtschaftskammer in Lebach oder auch SaarForst melden.

Die Ergebnisse der Untersuchungen in den einzelnen Bundesländern müssen bis Mitte Dezember nach Bonn gemeldet werden, dann wird sich herausstellen, ob die Wespe bei ihrem Siegeszug durch Europa schon Deutschland erreicht hat. Auch wenn die Edelkastanien-Gallwespe keine Existenzbedrohung für unsere heimischen Wälder ist, so ist sie nichtsdestoweniger ein schönes Beispiel dafür, dass Globalisierung auch ihre Schattenseiten hat.

Nähere Informationen beim Forstschutz-Experten des SaarForst-Landesbetriebes, Norbert Maurer, Tel.: 0681/9712-117.


 
 

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